Sie halten sich tapfer am Stammtisch oder auf dem Biker-Treff: Motorrad Mythen. Wir gehen den Top 10 Motorrad Mythen auf den Grund und klären deren Wahrheitsgehalt. Damit Du beim nächsten Treffen den anderen Bikern nicht auf den Leim gehst, machen wir den Realitätscheck, ob Mythos oder Wahrheit.
1. Mythos: "Eine Lederkombi ist sicherer als Textilkleidung!"
🧨 Nein, das lässt sich nicht pauschal sagen. Seit etwa 3 Jahren wird Schutzkleidung für Motorradfahrer in die Klassen B bis AAA eingeteilt. Die Grundlage dieser Einteilung ist unter anderem die Materialfestigkeit gegen Abrieb und die verbaute Qualität an Protektoren. Lederkombis schwanken in dieser Einteilung zwischen AA und AAA – und in gleicher Wertigkeit sind Textilkombis erhältlich. Beispielsweise besitzt die Motorrad-Cargo-Jeans John Doe Defender Mono ein AAA-Rating und erfüllt in Sachen Abrieb und Schlagschutz die Werte einer Lederkombi-Hose. Einen Vorteil hat Leder jedoch: Je nach Sturz kann eine Lederkombi mehrfach benutzt / gestürzt werden – Textilbekleidung braucht sich zum Schutz des Trägers bei Bodenkontakt zumeist vollständig auf.
2. Mythos: "Klapphelme sind gut für Brillenträger!"
🧨 Nein, das stimmt so nicht. Sitzt ein Klapphelm korrekt, lässt auch er sich nicht aufsetzen, ohne dass die Brille verrutscht. Der Mythos rührt daher, dass Helme oft zu groß gekauft werden. Ist dies der Fall, kann es funktionieren, dass man den Motorradhelm aufsetzen kann, ohne die Brille abnehmen zu müssen.
3. Mythos: "Nur teure Helme bieten ausreichend Schutz!"
🧨 Nein, das ist falsch. Motorradhelme werden Europa nach der Norm ECE-22.06 geprüft. Der Grenzwert zum Bestehen der Prüfung wird in HIC angeben, dem „Head Injury Criterium“. Dieser gibt die Restkraft an, die nach einem definierten Aufprall des Helms an den Kopf übergeht. Erfüllt der Helm die Norm, hält er also die Grenzwerte ein, gilt er als sicher. Hier gibt es keine Abstufungen vom günstigen Helm des Discounters bis hin zum kostenintensiven AGV Pista GP RR. Was teure Helme allerdings besser machen: Sie halten die Grenzwerte durch eine bessere Struktur ein und bauen in ihrer Form daher schlanker und leichter im Vergleich zu einfachen Helmmodellen.
4. Mythos: "Mit ABS bremst man besser!"
🧨 Nein, auch das stimmt nicht. Sind die Voraussetzungen optimal, wie beispielsweise auf einer Rennstrecke an einem sonnigen Tag, baut der Reifen so viel Grip auf, dass eher das Hinterrad steigt, als ein ABS einsetzt. Der Bremsweg aus einer Vollbremsung ist hier mit und ohne ABS gleich – weil es keinen Schlupf am Vorderrad gibt. Die Wahrheit lautet hingegen: Mit ABS bremst man nahezu optimal, auch bei schlechten Außenbedingungen!
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5. Mythos: "Ein lauter Auspuff bringt mehr Leistung!"
🧨 Die Entwicklung eines Motorrad Motors ist spätestens mit schärferen Abgasnormen ungleich komplizierter geworden. Bleiben wir im legalen Bereich, erzielen Nachrüst-Endschalldämpfer bei aktuellen Euro5 und Euro5+ -Maschinen kaum noch einen Anstieg der Lautstärke. Messungen einiger Motorrad-Zeitschriften haben sogar ergeben, dass manchen Endschalldämpfer oder sogar Komplettanlagen leichte Leistungsdefizite bringen (bspw. Tourenfahrer 04/17 oder 06/19). Was Nachrüst-Endschalldämpfer immer bringen, ist eine Gewichtsreduzierung, oftmals sogar eine Halbierung im Vergleich zur Serienanlage.
6. Mythos: "Motorradfahren ist teurer als Autofahren!"
🤨 Da es sich um eine maximal pauschalisierte Aussage handelt, kann man hier nur mit einem klaren Jaein antworten. Motorräder sind in der Anschaffung in Steuer sowie Versicherung meist günstiger als Autos und verbrauchen häufig um die 5 Liter oder weniger Kraftstoff auf 100 km. Werte, die auch aktuelle Diesel-PKW schaffen. Ein Motorrad unterliegt aber einem deutlich höheren Verschleiß an Reifen, Kette und Bremsen. Wenn man auf beide Fahrzeugtypen ähnlich viele Kilometer abspult, wird ein moderner PKW irgendwann die Differenz von Kaufpreis und Unterhalt durch geringere Service-Kosten und weniger Verschleißteile wettmachen. Da es sich bei den meisten Motorrädern aber um Hobby-Fahrzeuge handelt, sind diese – im Rahmen der geringeren Kilometerlaufleistungen – günstiger zu fahren.
7. Mythos: "Nach der Fahrschule kannst Du Motorrad fahren!"
🧨 Definitiv NEIN. Man erwirbt die Erlaubnis, Motorradfahren zu dürfen – das Können kommt von vielen Tausend Kilometern Erfahrungen im Sattel. Dieser Prozess lässt sich natürlich über Fahrtrainings beschleunigen – aber aus der Fahrschule heraus kommt noch lange kein guter Motorradfahrer.
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8. Mythos: "Zweizylinder haben den besten Durchzug!"
🤨 Jaein – es hängt am Sparringspartner. Nimmt man eine KTM 1290 Super Duke R, brennt diese im Durchzug von 50 auf 120 km/h mit 5,2 s im letzten Gang so ziemlich jedes andere Naked Bike weg. Aber wer beschleunigt bitte im Sechsten aus dem Ort heraus? Damit ist sie beispielsweise aber gleichschnell wie eine BMW S1000 RR Baujahr 2020. Also schon einmal nicht ultimativ unschlagbar. Geht man eine Hubraumklasse runter, hat beispielsweise eine KTM 790 Duke gegen Drilling einer MT-09 bei ähnlicher Leistung mit 8,1 s zu 6, 8 s im Durchzug deutlich das Nachsehen.*
*Messwerte aus: Motorradfahrer 04/14, 08/18, 03/20 (heute MotorradNEWS)
09. Mythos: "Je breiter der Hinterreifen, desto mehr Schräglage kann man fahren!"
🧨 Das stimmt so nicht. Zwar bieten breitere Hinterreifen bei Supersportlern hinten mehr Auflagefläche, die aktuell breitesten Reifen in diesem Genre hören allerdings bei 200 mm auf. Eine deutlich weniger schräg zu bewegende Ducati Diavel oder eine Harley-Davidson Breakout rollen beide auf 240er Hinterreifen und können deutlich weniger Schräglage fahren als eine BMW S1000RR mit kleinerem Pneu hinten.
10. Mythos: "Motorradfahren ist lebensgefährlich!"
🧨 Vergleicht man die Bestände von zugelassenen Autos und zugelassenen Motorrädern mit den entsprechenden Unfallzahlen nach Fahrzeuggattung, haben Motorradfahrer leider ein 16-fach höheres Risiko, bei einem Unfall zu sterben. In 2024 sind leider 511 Motorradfahrer tödlich verunglückt bei 6,78 Millionen zugelassenen Fahrzeugen. Auch wenn jeder Verkehrstote einer zu viel ist, ergibt das einen verschwindend geringen Prozentsatz. Somit ist auch dieser Mythos gesprengt.
(Bilder: KI, Yamaha, Scott, Revit, KTM)
