Die EICMA (Esposizione Internazionale Ciclo Motociclo e Accessori) in Mailand ist die bedeutendste Motorradmesse der Welt und Treffpunkt für alle, die Benzin im Blut haben. Jedes Jahr präsentieren hier führende Hersteller ihre neuesten Motorradmodelle, Zubehör-Innovationen und technische Trends. Ob supersportliche Bikes, Adventure-Maschinen oder nachhaltige Elektromotorräder – die EICMA zeigt, wohin sich die Motorradwelt bewegt.
Benelli TRK 902 Xplorer/ Stradale
Benelli zeigt auf der EICMA mit der TRK 902 Xplore eine neue, ernstzunehmende Reiseenduro. Ihr Zweizylinder mit 904 Kubik leistet 93 PS und 90 Nm Drehmoment. Das ganze drückt hinten ein 17-Zoll-Rad in den Schotter, wohingegen vorne eine 19-Zoll-Felge die Maschine führt. Gefedert wird vorne von einer Marzocchi-Upside-Down-Gabel und hinten von einem Zentralfederbein, beides aufgehängt an einem schlanken Gitterrohrrahmen. Ergibt in Summe 215 mm Bodenfreiheit bei einer Sitzhöhe von 840 mm. Der 20-Liter fassende Tank sollte für mindestens 400 km Reichweite gut sein. Erhältlich ist auch eine straßenorientierte Version mit durchgehender 17-Zoll-Bereifung, wird dann statt Xplore „Stradale“ genannt.
Italjet Dragster 459
Der italienische Scooter-Spezialist Italjet erweitert sein Portfolio um ein mittleres Modell mit 449 Kubik. Der motorradähnliche Roller leistet stramme 48 PS aus einem Reihenzweizylinder und ist das zweitstärkste Modell der Dragster-Baureihe. Bei den Komponenten lässt er sich nicht Lumpen: Upside-Down-Gabel, radial verschraubte Brembo-Bremssättel, Bananenschwinge mit Zentralfederbein und ein Auspuff im Stil einer Ducati Panigale sprechen eine eindeutige Sprache. Der Scooter verfügt außerdem über das intelligente Automatikgetriebe „SmartShift“, was vom Schaltgefühl an eine Motorradschaltung herankommen soll. Für 9.900 Euro wird der Scooter ab März erhältlich sein.
CF Moto SR-RR V4
CF Moto zeigt in Mailand ein 1000er Superbike mit neuem V4-Motor. Der Treibsatz soll aus 998 Kubik 210 PS leisten bei einem angegebenen Gewicht von unter 200 Kilo. Ihre Besonderheit sind aktiv gesteuerte Winglets an der Front. Je nach Fahrsituation kann so über die Spoiler mehr Abtrieb oder Auftrieb erzeugt werden – das hilft sowohl beim Bremsen als auch beim Beschleunigen. Eine weitere Technologie wird hier aus der Autoindustrie übernommen und findet erstmalig ihre Verwendung am Motorrad. Preis oder Modellstarttermin sind noch nicht bekannt.
Ducati Hypermotard V2
Nachdem Ducati schon vor der EICMA die neue Monster präsentierte, haben sich die Italiener für die Leitmesse in Italien die Hypermotard V2 aufgehoben. Die Supermoto wird vom neuen Monster-Motor angetrieben, dieser leistet im spartanischen Kleid 120 PS und 94 Nm Drehmoment. Mit dem neuen Motor ruft Ducati die Maschine nur alle 45.000 km zum Ventilservice. Leichtigkeit und Agilität standen im Lastenheft bei der neuen Hyper, so kommen dank Leichtbau-Rahmen vollgetankte nur 195 Kilo zu Stande. Alle aktuellen Fahrassistenten und Riding Modes sind natürlich inkludiert, als extra gibt es bei der Bestellung noch Soziusrasten dazu. Ab 15.690 Euro beginnt der Fahrspaß mit der Hypermotard V2.
Wunderlich Edition X / BMW R1300GS
BMW-Zubehör-Spezialist Wunderlich stellt auf der EICMA mit der Edition X sein neustes Umbauprojekt auf Basis einer R1300GS aus. Unter dem Kleid in farblicher Hommage an die 1990er-Jahre befindet sich eine maximal reduzierte GS. Die im Vergleich zum Vorgängermodelle generell schon zierlichere 1300er hat hier nochmals abgespeckt und ist zum Performance-Offroader geworden. Dazu hat sie alles, was es braucht: Lenkerhöherlegung, massive Sturzbügel, das Wunderlich-Fahrwerks-Kit sowie ein extrem schlankes Enduro-Heck. Es ersetzt das relativ zerbrechliche Originalteil und bewahrt den Enduristen bei Besuchen im Bike-Park so vor teuren Schäden. An einer Adaption eines Kennzeichenhalters zwecks Straßenzulassung wird noch gearbeitet.
Kawasaki ZX-10R /RR
Kawasaki bringt zur EICMA eine stark überarbeitete ZX-10R mit. Das High-End-Superbike erhält in erster Linie eine neue Front mit größeren Winglets und darauf abgestimmten Lufteinlässen. Ihr 998-Kubik-Vierzylinder ist jetzt nach Euro5+ homologiert, über dessen Leistung macht Kawa allerdings noch keine Angabe. Eine lange Reihe Assistenzsysteme sind mit an Bord. Eine 6-Achsen-IMU steuert ABS, Traktionskontrolle, Launch-Kontrolle sowie Bremskontrolle schräglagenabhängig.
Motor-Modi geben verschiedene Leistungsstufen ab und ein Quickshifter mit Blipper ermöglicht das kuppelfreie Schalten in beide Richtungen. Auch im Update enthalten war Hardware: Neue Brembo-M50-Monobloc-Bremszangen treffen künftig auf 330 mm messende Bremsscheiben, außerdem wurde das Chassis auf die neuen Winglets und den damit einher gehenden Anpressdruck an der Front angepasst.
Auch in 2026 ist eine limiterte RR-Variante erhältlich. Diese unterscheidet sich zur Basis durch andere Pleule und leichtere Kolben, was der Kawa ein schnelleres Ansprechverhalten, leichteres Hochdrehen und eine geringe Gewichtsersparnis zu Gute kommen lässt.
Norton Modelle für 2026
Norton startet mit vier neuen Modellen den Versuch der Markenbelebung auf der EICMA. Zwei sportliche Motorräder erhalten einen starken V4-Motor, wohingegen die zwei touristischen Ableger einen Reihenzweizylinder bekommen. Aus 1200 Kubik schöpft der V4 satte 203 PS wovon ein Sportler und ein Power Naked-Bike profitieren. Semaktive Fahrwerke und umfangreiche Assistenzsysteme halten die Fuhren im Zaun. Die Touren- und Enduro-Modelle „Atlas“ begnügen sich hingegen mit einem 585 Kubik Reihenzweizylinder. Seine Leistung wird zwischen 60 und 80 PS liegen. Über genauere Daten und Preise schweigen sich die Briten bislang aus.
Suzuki SV-7GX
Suzuki präsentiert mit der SV7-GX einen neuen Mittelklassetourer auf der EICMA. Die SV7-GX möchte Fahragilität und -komfort vereinen und zielt damit auf die Konkurrenten Yamaha Tracer 7 und Kawasaki Versys 650. Ihre Antriebseinheit stammt aus der Suzuki SV650 und arbeitet seit 1999 bereits in einer halben Million Maschinen. Er leistet 72 PS und 64 Nm. Auch bei ihr sind drei Fahrmodi, ABS und eine dreistufige Traktionskontrolle an Bord. Aus der SV bekannt und auch dabei ist der Anfahr-Assistent, der beim Einkuppeln die Drehzahl leicht erhöht, sodass ein Abwürgen der Maschine schwierig bis unmöglich wird.
Wie auf dem Bild gut zu sehen, stellt Suzuki auch die Tourentauglichkeit hervor und bietet ein höheres Windschild sowie ein Koffersystem mit Top-Case-Option ab Werk an. Fahrfertig gibt Suzuki nur 211 Kilogramm Gewicht an. Das verspricht Fahrspaß – und vielleicht findet der jetzt nach Euro5+ homologiert Motor ja auch wieder den Weg in ein SV-Modell?!
Yamaha Ténéré 700 World Raid
Auch die Ténéré 700 World Raid erhält für 2026 die 6-Achsen-IMU, gleich der R7. Auch ihre Assistenzsysteme regeln künftig also schräglagenabhängig. Perfekt für die Fernreise ist ihr neuer 23-Liter-fassender Tank, der durch sein Volumen eine rechnerische Reichweite von über 500 Kilometern ermöglicht. Besonders im Gelände kommt ihr das überarbeitete Fahrwerk und die 255 mm Federweg zu Gute, für Spurtreue sorgt dabei ein 16-fach einstellbarer Lenkungsdämpfer. Preise werden in den kommenden Monaten bekannt.
Yamaha R7
Zur EICMA spendiert Yamaha der R7 ein Update. Sie erhält auch eine 6-Achsen-IMU, die somit die Fahrassistenzsysteme in Abhängigkeit zur Schräglage steuern kann. Eine schlankere Verkleidung und eine überarbeitete, leichtere Gabel fördern die Fahrdynamik, das Sitzkissen ist minimal niedriger. Das Cockpit wurde auf einem Fünf-Zoll-TFT-Display neu gestaltet. Für nächstes Jahr gibt es die im Yamaha R7 in blau oder im klassisch roten Speedblock-Design.
BMW F450GS
Letztes Jahr noch Studie, in 2026 in den Läden: Die BMW F450GS. Mit ihrem 420-Kubik-Motor und den 48PS richtet sie sich klar an A2-Enduristen. Optisch und ergonomisch spricht sie die Design-Sprache der BMW-GS-Reihe. Mit ihrer Felgenkombination von 19-Zoll an der Front und 17-Zoll am Heck sollten gemäßigte Geländeeinlagen möglich sein. Ein technisches Highlight der neuen BMW F 450 GS ist die Easy Ride Clutch (ERC). Kernstück ist eine präzise Fliehkrafteinheit in der Kupplung, die die Kupplung drehzahlabhängig einkuppelt. Außerdem gehören verschiedene Fahrmodi, ABS Pro, Dynamische Bremskontrolle (DBC), dynamische Traktionskontrolle (DTC) und Motorschleppmomentregelung (MSR) zur Serienausstattung. Mit 7.220 Euro bildet die F450GS einen angenehm günstigen Einstieg in die BMW-Welt.
Honda V3R 900E (Prototyp)
War der Dreizyliner-Motor mit Kompressor-Aufladung auf den letzten Messen nur im nackten Rahmen zu sehen, hat er jetzt ein Kleid erhalten und ist zum vollständigen Motorrad erwachsen. Der V3-Motor im 75-Grad-Winkel mit 900 Kubik soll in den Leistungsregionen einer 1200er – dank Kompressor-Aufladung – mitmischen. Wir sprechen also in etwa um die 170 PS, wie bei einer Honda VFR 1200. Ansonsten ist der Motor in ein Kleid im CB-Stil gehüllt. Die Einarm-Schwinge des Prototyps ist geblieben und der voluminöse Endschalldämpfer sieht schon stark nach serienreife aus. Da die V3R 900E noch nicht angekündigt, aber ziemlich vollständig aussieht, ist mit einem Marktstart im Winter 2026/27 zu rechnen.
Honda CB1000GT
Die Honda CB1000GT kommt wie es das Leak-Video schon gezeigt hat. Ihr Vierzylinder-Reihenmotor liefert 150 PS bei 102 Nm Drehmoment. Ihr Tankvolumen beträgt 21 Liter, was sie letztendlich auf ein Gewicht von 229 kg bringt. Weitere Details gibt es bereits hier.
MV Agusta Brutale 950 Serie Oro
Das erste neue Motorrad von MV Agusta nach der Trennung von KTM ist die Brutale Serie Oro. Aus 931 ccm liefert der Drilling 148 PS in der Optik eines klassischen Naked Bikes. Natürlich kommen nur edelste Komponenten zum Einsatz: Öhlins-Fahrwerk, Brembo-Bremsen sowie ein Fünf-Zoll-TFT-Display. Der Stahlrohr-Rahmen ist eine komplette Neukonstruktion und soll die Brutale noch wiselflinker machen. Ein optisches Highlight ist die rote Alcantara-Sitzbank, die außerdem mehr Grip bietet. Für Vertrauen in die Marke sorgen 5 Jahre Garantie. Die MV Agusta Brutale 950 Serie Oro ist auf 300 Einheiten limitiert, ein Preis ist noch nicht bekannt.
(Bilder: Hersteller, TH)
