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Ein Klapphelm gilt für viele Fahrer als praktischer Allrounder: schnell aufgesetzt, bequem im Alltag und besonders angenehm bei kurzen Stopps oder im Stadtverkehr. Doch sobald das Budget auf unter 300 Euro begrenzt ist, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie viel Qualität bekommt man wirklich – und wo muss man Kompromisse eingehen? Genau darum geht es in diesem Test. Wir vergleichen drei beliebte Modelle – den Nolan N90-3, den Givi X.50 Fiber Solid und den Scorpion EXO-930 EVO – anhand klarer Kriterien wie Ausstattung, Handling, Komfort und Geräuschentwicklung.
Dabei wird schnell deutlich: Budget heißt nicht automatisch schlecht, aber bestimmte Premium-Eigenschaften wie maximale Reduzierung der Windgeräusche, perfektes Finish oder besonders hochwertige Polster sind in dieser Preisklasse selten. Statt Marketingversprechen bekommst Du hier eine ehrliche Einordnung, welche Stärken und Schwächen Dich erwarten – und welcher Helm am besten zu Deinem Fahrstil passt.
Givi X.50 Fiber: Die Leichtigkeit des Seins
Zumindest nach der unverbindlichen Preisempfehlung ist der Givi X.50 Fiber der teuerste Testkandidat. Das liegt vor allem an seiner Außenschale aus Carbonfaser. Carbon wird gerne im Leichtbau und Rennsport eingesetzt und bietet eine hohe Stabilität, das passt natürlich hervorragend zu einem Klapphelm. So wiegt der Givi nur 1520 Gramm inklusive Pinlock, auch kommt ihm hier seine relativ kleine Außenschale zugute. Weniger Material bedeutet weniger Gewicht.
Damit liegt er auf dem Niveau eines normalen Integralhelms und kompensiert das Gewicht des Klappmechanismus.
Bei der ersten Anprobe wirkt der Givi zunächst sehr komfortabel und leicht, bis die Klappe fällt. Dann berühren Nase und Kinn deutlich die Innenseite des Helms. Hier müsste ein Modell in Größe L her, obwohl der Kopfumfang für Größe M spricht. Gleiches Phänomen kommt zum Tragen, will man die Sonnenblende mit einer Sehbrille kombinieren, hier blockiert das Brillengestell den Mechanismus und die Sonnenblende ist leider nutzlos. Gut, wer auf die Sehhilfe verzichten kann.
Auf dem Motorrad sticht die tolle Rundum-Sicht heraus. Akustisch sind bei 120 km/h deutliche Pfeifgeräusche zu vernehmen. Die Bedienelemente sind für das Handling mit Handschuhen recht stramm. Die Belüftung am Kinn ist deutlich spürbar und versorgt den Fahrer mit Sauerstoff.
Gesamtwertung: ⭐️⭐️⭐️
| Außenmaterial | PFL-GFK |
| Ausstattung | Pinlock, Sonnenblende, Windabweiser, Atemabweiser, Brillenkanal, Reflexionselemente am Kragen |
| Belüftung | Kinn, Oberkopf |
| Garantie | 2 Jahre |
| Größen | XS – 2XL |
| Lieferumfang | Anleitung, Helmbeutel, Pinlock |
| P/J-Homologation | ja |
| Prüfnorm | ECE 22.06 |
| Verschluss | Mikro-Ratsche |
| Brillentauglichkeit | bedingt * |
| Gewicht Gr. M | 1520 g |
| Passform | fällt klein aus, Kinnbereich sehr eng |
| UVP | 369,00 € |
Nolan N90-3 Classico: Italienischer Allrounder
Klapphelme haben bei Nolan Tradition. Kaum ein Hersteller kann in diesem Segment so viel Erfahrung aufweisen wie die Italiener. Entsprechend durchdacht und ausgereift wirkt der N90-3 Classico. Alles funktioniert, alles sitzt dort, wo man es erwartet – auch an den eigenwilligen Verschluss der Klappe hat man sich mittlerweile gewöhnt und weiß die gewonnene Sicherheit durch die Betätigung mit mindestens zwei statt einem Finger zu schätzen.
| Außenmaterial | Lexan-Polycarbonat |
| Ausstattung | Pinlock, Sonnenblende (Rastung in Stufen), Atemabweiser, Windabweiser, N-Com vorbereitet, Metallratsche, |
| Belüftung | Kinn, Oberkopf |
| Garantie | 5 Jahre |
| Größen | 2XS – 2XL |
| Lieferumfang | Helmbeutel, Anleitung, Pinlock (vormontiert) |
| P/J-Homologation | ja |
| Prüfnorm | ECE 22.06 |
| Verschluss | Mikro-Ratsche |
| Brillentauglichkeit | ja |
| Gewicht Gr. M | 1685 g |
| Passform | gut, passend Gr. M |
| UVP | 340,00 € |
Auch die Metallratsche am Kinnriemen vermittelt Vertrauen. Ein schönes Detail ist auch die Rastung der Sonnenblende in Stufen – wer möchte, muss sie also nicht vollständig hoch- bzw. herunterfahren, um sich vor der Sonne zu schützen. Eine Sehhilfe passt auch hervorragend in den dafür vorgesehenen Brillenkanal – allgemein ist das Interieur des Nolans über alle Zweifel erhaben.
Beim Fahrtest fällt auf, dass der Helm weit weniger schwer wirkt, als er auf dem Papier ist. Hier kommt die jahrelange Erfahrung der Italiener zum Tragen. Die Passform ist angenehm und für Größe M eher bequem. Die Windgeräusche sind in etwa auf dem Niveau des Scorpion-Helms, aber deutlich geringer als beim Givi. Konträr zu letzterem ist die Funktion der Belüftung: Bei Nolan kann einem schon einmal die Kopfhaut frieren, wohingegen die Frontbelüftung eher ein beschlagen des Visiers bzw. Pinlocks verhindert, als dem Fahrer Frischluft zuführt. Als einziger kommt der N90-3 Classico mit vormontiertem Pinlock beim Kunden an.
Gesamtwertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️
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Givi X.50 Fiber Solid
Klapphelm
Eigenschaften
- aus PFL Glasfaserkunststoff in zwei Schalengrößen
- Geprüft nach ECE 22.06

Scorpion EXO-930 EVO: Radikal funktional
Das Schwergewicht im Test kommt von Scorpion und hört auf den Namen EXO-930 EVO. Doch die 1780 Gramm hat der EXO nur auf der Waage, auf dem Kopf fühlt sich der komfortable Klapphelm sehr gut austariert und deutlich leichter an – und kompensiert damit die günstigere Bauweise aus Polycarbonat perfekt. Zumindest für den Test(er)-Kopf hat er die beste Passform in Größe M. Er sitzt satt ohne zu drücken.
Die Bedienelemente lassen sich mit Handschuhen hervorragend betätigen – nur der Brillenkanal sitzt zumindest für den Autor einen Tick zu hoch, sodass die Sehhilfe feinjustiert werden muss. Der Scorpion kann zum Offen-Fahren per Knopfdruck an der Seite fixiert werden, sodass niemals nicht während dem Fahren die Klappe versehentlich herunterfällt.
Den günstigsten Preis im Test merkt man dem Klapphelm nicht an, besonders das Kwikwick-Innenfutter schmeichelt der Haut, allgemein ist der Scorpion äußerst komfortabel zu tragen.
Alle Bedienelemente, sei es die Belüftung, Sonnenblende oder Verschluss, lassen sich hervorragend mit Handschuhen bedienen.
Bei der Testfahrt war der Scorpion akustisch unauffällig, die Belüftung am Kinn ist äußerst funktional, am Oberkopf wird es aber trotz geöffneter Lüftungsklappe warm.
Gesamtwertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
| Außenmaterial | Polycarbonat |
| Ausstattung | Pinlock, Sonnenblende, Atemabweiser, Windabweiser, EXO-COM vorbereitet, Reflexionselemente am Kragen |
| Belüftung | Kinn, Oberkopf |
| Garantie | 5 Jahre |
| Größen | XS – 2XL |
| Lieferumfang | Anleitung, Helmbeutel, Pinlock |
| P/J-Homologation | ja (arretiertbar) |
| Prüfnorm | ECE 22.06 |
| Verschluss | Mikro-Ratsche |
| Brillentauglichkeit | ja |
| Gewicht Gr. M** | 1780 g |
| Passform | gut, passend Gr. M |
| UVP | 229,90 € |
Gesamtwertung: Günstigster Klapphelm gewinnt
| Hersteller | Givi | Nolan | Scorpion |
| Ausstattung | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
| Bedienung | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
| Belüftung | ⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ |
| Geräusch | ⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ |
| Komfort | ⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
| Verarbeitung | ⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ |
| Gesamt | ⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
Große Klappe: So haben wir getestet
Klapphelme spalten die Motorradszene – die einen lieben sie, die anderen mögen sie nicht. Für diesen Test spielt die persönliche Meinung aber keine Rolle. So haben wir im Rahmen der Ausstattung den Lieferumfang und die Funktionen der Helme bewertet, die alle sehr ähnlich und für das Preisniveau unter 300 Euro (Shoppreis) wirklich top sind.
Für die Bedienung, Belüftung, Geräusch und Komfort ging es mit allen drei Kandidaten auf eine große Proberunde mit einem Naked Bike. Dies ist besonders für die Geräuschwertung wichtig, da hier keine Verkleidung oder Scheibe den Luftstrom ändert. Zugegeben ist gerade die Geräuschwertung eher subjektiv, lässt sich aber innerhalb des Testfelds aufgrund ähnlicher Rahmenbedingungen (gleicher Tag, gleiche Witterung, gleicher Fahrer, gleiches Motorrad, gleiche Testrunde) gut in Relation setzen.
Letztes Kriterium war die Verarbeitung. Eine gute Verarbeitung spricht für ein langes Helm-Leben, sodass hier ein besonderes Augenmerk auf Innenfutter und Details gelegt wurde. Leider waren beim Nolan-Helm Bearbeitungsreste aus der Produktion sichtbar, was eine Höchstwertung verhindert hat.
Klappe die Erste: Technik hinterm Klapphelm
Klapphelme sind häufig mit einer PJ-Homologation versehen. Die PJ-Homologation bei Klapphelmen bedeutet, dass der Helm sowohl im geschlossenen (Integral) als auch im geöffneten Zustand (Jet) offiziell zugelassen ist. Dafür wird der Helm in beiden Konfigurationen geprüft und muss die Sicherheitsanforderungen jeweils erfüllen. Helme ohne PJ-Kennzeichnung sind nur geschlossen freigegeben, auch wenn sich das Kinnteil hochklappen lässt. Mit PJ-Homologation bist Du dagegen flexibel und darfst den Helm legal offen fahren.
Außerdem sind alle Helme, egal ob Integralhelm, Klapphelm oder Endurohelm nach der ECE-Norm 22.06 getestet. Die ECE 22.06 ist die aktuelle Motorradhelm-Norm in Europa und bringt deutlich strengere, realitätsnähere Tests als die frühere ECE 22.05. Neben zusätzlichen Aufprallprüfungen werden erstmals auch Rotationskräfte berücksichtigt, außerdem wird Zubehör wie Visiere mitgetestet. Dadurch steigt das Sicherheitsniveau spürbar.
FAQ: Die häufigsten Fragen zu Klapphelmen
1. Was bekommt man bei einem Klapphelm unter 300 Euro für sein Geld?
In der Budgetklasse bekommst Du heute überraschend viel: Sonnenblende, oft Pinlock-Vorbereitung, solide Verarbeitung und alltagstaugliche Bedienung. Abstriche gibt es vor allem bei Geräuschdämmung, Gewicht und Detailqualität. Kurz gesagt: funktional stark, aber nicht „Premium-fein“.
2. Was fehlt günstigen Klapphelmen im Vergleich zu Premium-Modellen am häufigsten?
Typische Unterschiede liegen bei Geräuschkomfort, Passform, Polsterqualität und Mechanikgefühl. Premium-Helme wirken meist ruhiger, besser ausbalanciert und hochwertiger verarbeitet – vor allem auf langen Strecken.
3. Sind Klapphelme grundsätzlich lauter als Integralhelme?
Ja, meist schon. Die zusätzliche Mechanik und mehr Dichtstellen führen oft zu mehr Windgeräuschen. In der Budgetklasse fällt das stärker auf als bei teuren Modellen.
4. Ist ein Budget-Klapphelm für Autobahnfahrten geeignet?
Grundsätzlich ja – aber mit Einschränkungen. Bei höheren Geschwindigkeiten treten häufiger Windgeräusche und Turbulenzen auf. Ohrstöpsel können hier sinnvoll sein.
5. Ratschenverschluss oder Doppel-D – was ist praktischer im Alltag?
Ratschenverschlüsse sind klar alltagstauglicher: schnell, einfach und auch mit Handschuhen gut bedienbar. Doppel-D ist sicher und beliebt im Sportbereich, aber weniger komfortabel im täglichen Gebrauch.
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Scorpion EXO-930 EVO Solid
Klapphelm
Eigenschaften
- 2 Schalengrößen
- Material: Polycarbonat
- Geprüft nach ECE 22.06

Airoh Mathisse II Color
Klapphelm
Eigenschaften
- HRT-Thermoplastschale in 3 Größen
- Pinlock® 120 XLT Einsatz
- Geprüft nach ECE 22.06
6. Kann ich die Brille beim Aufsetzen auf der Nase lassen?
Oft ja, aber nicht perfekt. Klapphelme erleichtern das Aufsetzen, trotzdem sitzt die Brille danach meist nicht optimal und muss nachjustiert werden. Brillenkanäle helfen, sind aber kein Garant.
7. Welche Ausstattung ist bei einem Klapphelm wirklich wichtig?
Sinnvoll sind: Sonnenblende für wechselnde Lichtverhältnisse, Pinlock gegen Beschlagen und eine einfache Bedienung mit Handschuhen. Intercom-Vorbereitung kann je nach Nutzung ebenfalls wichtig sein.
8. Wie finde ich die richtige Größe bei einem Klapphelm?
Miss Deinen Kopfumfang und orientiere Dich an der Größentabelle des Herstellers. Der Helm sollte fest sitzen, ohne zu drücken. Wichtig: Passform ist markenspezifisch – probieren ist ideal.
9. Was sind typische Fehler beim Kauf eines Klapphelms?
Zu locker kaufen, nur nach Preis entscheiden oder Geräusch und Gewicht unterschätzen. Auch die fehlende P/J-Homologation wird oft übersehen.
10. Wie wichtig ist das Gewicht bei Klapphelmen wirklich?
Sehr wichtig – vor allem auf längeren Fahrten. Klapphelme sind bauartbedingt schwerer, entscheidend ist aber die Balance. Ein schlecht ausbalancierter Helm belastet den Nacken stärker als ein etwas schwererer, gut ausbalancierter.
Fazit: Klappofferten ohne Kompromisse
Klapphelme sind eine Sache für sich und viel liegt hier natürlich im Auge des Betrachters. Was sich nicht wegdiskutieren lässt ist allerdings die sehr kleine Bauform des Givi, genauso wenig die hohe Funktionalität des Nolan und des Scorpions. Für sein geringes Gewicht macht der Givi zu viele Kompromisse, kann aber für Fahrer mit Nackenproblemen eine interessante Alternative sein. Wer schon im Hause Nolan beheimatet ist, findet im N90-3 den passenden Kopfschutz - jemanden, der sich zum ersten Mal mit dem Thema Klapphelm befasst, empfehlen wir den Scorpion. Der EXO-930 EVO macht alles richtig - und das zu einem sensationellen Kurs.
(Bilder: TH)
