Inhaltsverzeichnis
Motorradfahren ist und bleibt leider gefährlich – im Gegensatz zum Auto fehlt dem Motorrad weitestgehend die Knautschzone. Jeder Feindkontakt geht direkt auf die Knochen. Um dies zu verhindern, ist das Tragen von hochwertiger Motorradschutzkleidung und die richtige Auswahl der Schutzklassen bei Motorradbekleidung unerlässlich. Diese reicht vom Helm über Jacke und Hose bis hin zu Handschuhen und Stiefeln. Doch nicht jede Schutzkleidung bietet denselben Schutz.
Alle Motorrad Schutzkleidungsstücke werden nach spezifischen Normen zertifiziert, um die Schutzklasse und damit die Sicherheit der Kleidung zu garantieren. In Deutschland ist nur der Helm als Schutzkleidung Pflicht, während in der Fahrschule oder im Ausland oft mehr Schutzkleidung vorgeschrieben ist. Die Auswahl der richtigen Schutzkleidung, ob für Herren, Damen oder Kinder, hängt nicht nur vom Schnitt, sondern auch von der Größe der Protektoren und den Integrationsmöglichkeiten von Airbag-Systemen ab.
Helme: ECE, DOT und SNELL – Was Du wissen musst
Für Helme gibt es prinzipiell drei Arten der Normung, die Prüfung nach ECE, DOT oder SNELL. In Deutschland wird in der Regel ein Integralhelm mit Sicherheitszertifikat, geprüft nach ECE-Zertifizierung, gefordert. Motorrad Schutzkleidung mit CE-Zertifizierung ist ebenso wichtig wie ein gut geprüfter Helm. Am Kinnriemen des Helms befindet sich ein Label mit dem Prüfsiegel des Helms. Integralhelme sind nach der europäischen Norm ECE22-06 (teilweise auch noch ECE22-05) geprüft. Diese Norm stellt jedoch nur Mindestanforderungen an das Material und die Eigenschaften eines Helms. In den USA entspricht die DOT-Norm in etwa der ECE-Prüfung. Wer auf maximale Sicherheit Wert legt, sollte zusätzlich nach Helmen suchen, die nach der strengeren SNELL-Norm geprüft sind.
Motorrad Schutzkleidung der AAA Klasse
Motorradjacken und -hosen werden in die Schutzklassen von C bis AAA eingestuft. Schutzklasse C bietet primär Aufprallschutz, während Klasse B auf Abriebschutz abzielt. Ab Klasse A erhält man kombinierten Schutz, der sich bis zur höchsten Motorrad Schutzkleidungsklasse AAA steigert. Eine leichte Textiljacke mit Protektoren oder ein Motorrad-Hoodie entspricht beispielsweise Schutzklasse A, während ein massiver Anzug aus Leder mit allen Protektoren und Airbag meist den höchsten Sicherheitsstandard AAA erreicht.
Mit Kevlar verstärkte Motorrad Jeans variieren hier stark, sie sind von Schutzklasse A bis AAA erhältlich. Hersteller müssen ihre Schutzkleidung gemäß der Norm EN 17092-2:2020 zertifizieren lassen. Besonders im Ausland kann zertifizierte Schutzkleidung Pflicht sein, weshalb diese Norm immer mehr an Bedeutung gewinnt. Als Käufer kann man sich auf die aufwendige Zertifizierung verlassen – eine Nachprüfung im privaten Rahmen ist auch nahezu unmöglich.

Schuberth C5
Klapphelm
Eigenschaften
- Helmschale aus Glasfaser und Carbon
- Neues EPS-Material zur verbesserten Stoßdämpfung
- Zertifiziert nach ECE 22.06

Held Tivola ST
Textiljacke Gore-Tex
Eigenschaften
- Clip-in Technology
- Sturzzonen mit Ripstop verstärkt
- GORE-TEX® Z-Liner Technologie
- Schutzklasse: AA

Dainese Mig 3
Handschuhe Unisex
Eigenschaften
- Einsätze aus Polyurethan an Knöcheln
- Handfläche aus Amica-Wildleder
- Dainese Smart Touch
- Schutzklasse Level 1

Alpinestars Faster 3
Schuhe
Eigenschaften
- aus hochentwickelter Mikrofaser
und gestricktem Mesh - Verstärkter TPU-Knöchel
- Zertifiziert nach EN 13634:2017
Handschuhe & Schuhe: Ein Standard für deine Sicherheit
Motorradhandschuhe werden nach der Norm EN 13594:2015 zertifiziert. Dabei werden verschiedene Aspekte wie das Verstellsystem, Reißfestigkeit, Nahtstärke, Schnittfestigkeit, Abriebfestigkeit, Standardgrößen, Stulpenlänge, Fingerfertigkeit und Knöchelprotektor geprüft. Handschuhe, die den Test bestehen, werden zusätzlich in Schutzklasse 1 oder 2 eingeteilt, wobei Klasse 2 den höheren Schutz bietet.
Auch Motorradschuhe und -stiefel unterliegen strengen Tests nach der Norm EN 13634:2017. Ähnlich wie bei Handschuhen werden Stiefel in zwei Schutzlevel eingeteilt, wobei Level 2 die sicherere Wahl darstellt.
Neue Protektoren als mögliches Upgrade
Eine Motorradjacke oder -hose wird erst durch austauschbare Protektoren an den Gelenken zur echten Schutzkleidung. Diese Protektoren können oft einfach aufgerüstet werden, um den Schutz noch weiter zu verbessern. Sie absorbieren bei einem Sturz Energie und verteilen sie gleichmäßig über ihre gesamte Fläche. Es gibt zwei wichtige Merkmale bei Protektoren: die Größe und das Schutzlevel. Schutzklasse 1 bietet eine geringere Schlagdämpfung, wodurch mehr Restkraft auf den Körper einwirken kann. Schutzklasse 2 absorbiert hingegen mehr Energie, wodurch die Restkraft deutlich reduziert wird. Gelenkprotektoren sind in den Größen A und B erhältlich: Größe A entspricht Kindergröße oder einer kleinen Damengröße, während Größe B für alle anderen Bekleidungsgrößen vorgesehen ist.
Die Entscheidung, ob Größe A oder B verwendet werden kann, hängt oft von dem Schnitt der Protektorentaschen in Jacke und Hose ab. Das Schutzlevel kann jedoch fast immer von 1 auf 2 aufgerüstet werden. Die Schutzklassen sind bei Rückenprotektoren gleich, also Level 1 oder 2. Allerdings gibt es sie in diversen Größen-Varianten, oftmals für jeden Hersteller und Kleidergröße passend. Auch gerne genommen sind Protektoren zum Umschnallen, mit diesen ist man am Rücken immer gleich gut geschützt, auch wenn die Jacke wechselt.
Technik aus dem Rennsport: Airbag-Systeme
Motorrad Schutzkleidung mit Airbag bietet zusätzliche Sicherheit, die Leben retten kann. Es gibt zwei Varianten von Airbag-Systemen für Motorradfahrer. Der Airbag kann entweder als Weste über der herkömmlichen Motorradbekleidung getragen oder als integriertes Airbag-System direkt im Lederanzug eingebaut werden. Beide Varianten bieten eine ähnliche Schutzwirkung, jedoch ist die integrierte Version deutlich komfortabler, allerdings auch teurer. Die Weste zum drüberziehen wird von Marken wie Bering oder Dainese angeboten und kann entweder durch eine am Motorrad befestigte Reißleine oder ein eigenständiges elektronisches System ausgelöst werden, das Gyrokräfte misst und im Notfall zündet.
Hersteller wie Alpinestars, Dainese und Held bieten mittlerweile integrierte Airbag-Systeme an, die unter der Oberbekleidung getragen und mit dieser verbunden werden können. Diese Systeme werden automatisch aktiviert, sobald man den Reißverschluss der Weste oder Kombi schließt. Der Rennsport zeigt den hohen Nutzen von Airbag-Bekleidung: Seit deren Einführung sind schwere Verletzungen dort drastisch zurückgegangen.
Das Gesamtkonzept muss stimmen – Tipps und Tricks zur Schutzkleidung
Selbst Motorrad Schutzkleidung mit hohem Sicherheitsstandard, Level-2-Protektoren und ein Airbag bieten keinen ausreichenden Schutz, wenn die Motorradbekleidung nicht richtig sitzt. Eine gut sitzende Kombi, die im Falle eines Zweiteilers mit einem Rundum-Reißverschluss verbunden ist, ist entscheidend für eine optimale Schutzwirkung. Auch bestes Leder scheuert schnell durch, wenn es Falten wirft. Protektoren bieten nur dann Schutz, wenn sie an den Gelenken richtig positioniert sind – oft lassen sich die Schoner in den Protektorentaschen mit Klettverschlüssen verstellen. Airbagwesten benötigen bei der Auslösung etwas Platz zur Expansion – sitzt die Weste zu eng, kann sie beim Auslösen den Brustkorb quetschen. Um die richtige Passform zu finden, ist es hilfreich, vor der Bestellung die Herstellerangaben in den Größentabellen mit den eigenen Körpermaßen abzugleichen.
Leider ist Motorrad Schutzkleidung häufig ein Einweg-Produkt. Während sich eine Airbagweste nach dem Auslösen meist zurücksetzen lässt und eine Lederkombi mehrfach geflickt werden kann, führen Beschädigungen an Textilbekleidung oft dazu, dass sie entsorgt werden muss. Hier sollten keine Kompromisse eingegangen werden – im Zweifelsfall ist es besser, die Schutzkleidung auszutauschen, als Risiken bei der Schutzwirkung einzugehen.
Fazit: So findest Du die richtige Motorradbekleidung
Dank klarer Normen ist es einfacher denn je, das Sicherheitslevel deiner Motorradbekleidung zu bestimmen. Achte jedoch darauf, dass die Bekleidung nicht nur der gewünschten Schutzklasse entspricht, sondern auch perfekt sitzt. Nur dann kann sie im Ernstfall ihre volle Schutzwirkung entfalten. Sicherheit und Passform sind die Schlüssel zu sicherem Fahrvergnügen!
(Bilder: Rev’it, Icon, IVM, Furygan, LS2, TH)
