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Eine Tour auf dem eigenen Bike ist für viele Motorradfreunde eine der größten Freuden – Airbagsysteme können hier für mehr Sicherheit sorgen. Denn Motorradfahrer unterliegen einer deutlich höheren Verletzungsgefahr bei Unfällen.
Aus diesem Grund forschen Hersteller von Motorrädern und Equipment schon seit Jahren an Möglichkeiten, die potenziellen Verletzungen nach Unfällen zu minimieren. Neben Protektoren sind dabei seit längerem auch schon Airbagsysteme im Gespräch. Doch wie funktionieren diese bei Motorrädern genau?
Airbagsysteme für Motorräder – wo liegen die Probleme?
Während Airbags für Autos schon seit vielen Jahren zum Standard gehören, war dies bei Motorrädern lange sehr schwierig. Dies hat verschiedene Gründe:
- Motorradunfälle sind sehr individuell
Während die Probleme in einem Auto für Sicherheitsexperten relativ klar sind, sieht dies bei Motorrädern ganz anders aus. Im Auto soll ein Airbag die Vorwärtsbewegung abbremsen, die bei einem Aufprall entsteht. Motorradunfälle laufen für den Fahrer selbst jedoch höchst unterschiedlich ab.
So kann der Aufprall viel leichter von unterschiedlichen Seiten eintreten und darüber hinaus trifft der Fahrer selbst eventuell auf andere Art und Weise auf ein Hindernis, welches für Verletzungen sorgt.
- Maschine und Fahrer werden oft getrennt
Der Weg für einen Motorradfahrer führt nach einem Unfall in den meisten Fällen von der Maschine weg. Entweder prallt er mit hoher Wucht gegen ein Fahrzeug sowie andere Hindernisse, oder wird weggeschleudert und kommt irgendwann auf dem Asphalt oder neben der Fahrbahn auf. Maschinengestützte Airbags wären in solchen Fällen also nicht sonderlich hilfreich.
Welche Airbag-Lösungen gibt es im Bekleidungs-Bereich?
Airbags für Motorräder sind in den meisten Fällen keine fahrzeuggebundenen Lösungen, sondern werden als Weste direkt am Fahrer getragen. Lediglich die Honda Goldwing wurde 2006 mit einem Airbag auf der Maschine ausgestattet.
Viele andere Lösungen setzen auf entsprechende Westen, die sich bei einem Unfall aufblasen und den Fahrer so vor Schäden schützen sollen. Die ältesten Lösungen sind dabei schon mehr als 15 Jahre alt.
Entsprechende Airbagwesten funktionierten mechanisch und mussten per Reißleine am Motorrad befestigt werden. Die Funktionsweise ist dabei ganz einfach:
- Durch einen Aufprall wird die Reißleine ausgelöst
- Die Airbagweste pumpt sich auf
Solche mechanischen Lösungen gibt es auch heute noch. Der große Vorteil liegt darin, dass sie günstiger sind und trotzdem einen äußerst soliden Schutz bieten.
Mittlerweile befinden sich deutlich schnellere Lösungen auf dem Markt
Die Entwickler entsprechender Airbagsysteme haben in den letzten Jahren allerdings deutliche Fortschritte erzielt. Mittlerweile gibt es Airbag-Westen, die elektronisch innerhalb kürzester Zeit einen Aufprall erkennen und sich in 25-30 Millisekunden komplett aufpumpen.
Achtung: Auch besonders schnelle Airbags schützen den Körper nicht zwingend. Es kommt immer drauf an, mit welcher Körperregion der Fahrer letztlich aufprallt. Trotzdem können Airbagsysteme das Maß an Sicherheit in vielen Fällen deutlich erhöhen.
Wo liegen die Vor- und Nachteile von elektronischen und mechanischen Airbags?
Hier ein Überblick:
| Vorteile | Nachteile | |
|---|---|---|
| Mechanische Westen | – Basis-Schutz-Niveau ohne elektronische Hilfsmittel – Niedriger Preis | – Muss am Motorrad befestigt werden -Löst langsamer aus (100 Millisekunden) |
| Elektronische Westen | – Keine Verbindung mit dem Motorrad – Löst sehr schnell aus (ca. 25 Millisekunden) | – Deutlich teurer – Beim ersten Mal steht oft eine langwierige Erstinstallation an |
Tabelle 1: Vor und Nachteile von mechanischen vs. elektronische Airbag-Westen
Airbags in der Motoradkleidung: Heute immer stärker verbreitet
Wer sich heute für seine Touren besonders schützen möchte, bekommt heute auch vollwertige Airbag-Bekleidung. Entsprechende Jacken funktionieren dabei folgendermaßen:
- Sensoren sorgen für eine Überwachung
Die Sensoren überwachen die Bewegungen und checken per Algorithmus, ob eine Auslösung des Airbags erforderlich ist.
- Bei Auslösung pumpt sich der Airbag auf
Die Auslösung des Airbags erfolgt bei verschiedenen Sturzarten. Darüber hinaus versuchen die Algorithmen bekannter Hersteller, unnötige Auslösungen zu vermeiden.
Mittlerweile existieren sogar Lösungen, bei denen die Sensoren im Rückenprotektor integriert sind. Auf diese Weise wird die Erstinstallation deutlich unkomplizierter. Entsprechende Jacken haben zwar ihren Preis, bieten letztlich jedoch auch ein hohes Schutzniveau.
Welche Hersteller bieten Airbag-Bekleidung für Motorräder an?
Mittlerweile existiert eine ganze Reihe von Herstellern, die entsprechende Airbag-Bekleidung fertigen. Dazu gehören:
- Ixon
Die Ixon Airbagweste IX-Airbag U03 ist ein elektronischer, intelligenter Airbag, der unter jede Jacke passt. Das Sicherheitssystem wird innerhalb von nur 33MS augelöst – und das ohne Kabel oder Sensoren. Diese Unabhängigkeit – die Kombination aus universell einsetzbar ohne Verkabelung – ist es, die Motorradfahrer schätzen. Zudem ist sie bequem zu Tragen: Mit nur 1,3 Kilo ist sie ein echtes Leichtgewicht.
- Dainese
Dainese ist ein italienischer Hersteller von Motorradkleidung und gilt gerade bei Airbag-Systemen als Pionier. Die elektronischen Airbags gelten als äußerst hochwertig und können oft auch ohne langwierige Installation genutzt werden. Ob nun Dainese Misano D-Air, Dainese Cyclone D-Air oder Dainese Racing 3 D-Air – hier wartet Motorradkleidung für höchste Ansprüche.
- Alpinestars
Der zweite große Player in diesem Bereich ist der italienische Hersteller Alpinestars. Im Unterschied zu Dainese werden hier Airbagweste und Jacke getrennt voneinander angeboten. Die Westen mit der Tech-Air Race Evo und der Tech-Air Street Evo bieten trotzdem einen hochwertigen Schutz.
- Held
Held galt einst als Spezialist für Motorradhandschuhe, bietet mittlerweile jedoch auch hochwertige Airbag-Westen an. Dabei setzte der Hersteller lange Zeit ausschließlich mechanisch ausgelöste Airbags ein. Mit der Held eVest Clip In gibt es jetzt aber auch eine unkomplizierte elektronische Lösung.
Diese Beispiele zeigen sehr eindrucksvoll, dass sich im Bereich der Airbagsysteme für Motorräder in den letzten Jahren sehr viel getan hat. Die Lösungen werden auch vom Installationsaufwand her immer unkomplizierter und bieten stetig mehr Komfort.
Mit Airbagsystemen die eigene Sicherheit deutlich erhöhen
Die Sicherheit ist und bleibt ein leidiges Thema für Motorradfahrer. Aufgrund der fehlenden Knautschzone haben Unfälle oft eine deutlich schlimmere Auswirkung als im Auto. Somit ist es nicht verwunderlich, dass fast jeder Motorradfahrer auf entsprechende Schutzkleidung setzt. Neben Protektoren und stabiler Kleidung lässt sich heute jedoch auch über Airbagsysteme der Schutz vor Verletzungen erheblich verbessern.
Die mechanischen Modelle mit einer Reißleine werden heute mehr und mehr von elektronischen Lösungen verdrängt, die deutlich komfortabler sind und zudem schneller reagieren. Entsprechende Airbag-Bekleidung hat zwar durchaus ihren Preis. Doch letztlich sollte jeder Motorradfan überlegen, ob ihm seine Gesundheit eine höhere Ausgabe wert ist.
