Nachdem zuletzt in Deutschland die Bundesländer laut darüber nachdachten, eventuelle Lärmfahrverbote für Motorradfahrer zu erheben, hat Österreich bereits ernst gemacht. So gelten entsprechende Regelungen mittlerweile in Tirol und auch das Bundesland Wien plant, aus anderen Gründen Fahrverbote einzusetzen. Doch wie sehen die Regelungen genau aus und was sollten Motorradfahrer wissen, die in den entsprechenden Regionen unterwegs sind?

Tirol: Verbotsregelung bereits in Kraft

In Tirol gelten auf beliebten Motorradstrecken bereits die neuen Lärmfahrverbote. Die Regelung erweist sich dabei zunächst als ganz einfach: Motorräder mit einem eingetragenen Standgeräusch von mehr als 95 Dezibel (Nahfeldpegel) dürfen dort nicht mehr verkehren. Wer gegen diese Regelung verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 220 Euro rechnen. Die neue Verordnung gilt zunächst erst einmal bis Ende Oktober 2020 und damit quasi für die gesamte Motorradsaison in diesem Jahr.

Regelung wirft Probleme auf

Das größte Problem an dieser Regelung besteht darin, dass es bislang durchaus zulässig ist, sich ein Motorrad mit einem Standgeräusch von mehr als 95 Dezibel zuzulegen. Wer in der betroffenen Region wohnt und über eine entsprechende leistungsfähige Maschine verfügt, wird vom Staat quasi enteignet. Fahrten sind dabei nur noch sehr eingeschränkt möglich. Dies schmälert gerade in Tirol selbst den Wert dieser Maschinen erheblich.

Darüber hinaus sagt das Standgeräusch nicht zwingend etwas über die Lärmentwicklung beim Fahren aus. Es kann also durchaus sein, dass trotz des Lärmfahrverbots nach wie vor relativ laute Maschinen unterwegs sind. Damit haftet dem Ganzen ein wenig der Eindruck der Willkür an. Für Touristen mit entsprechend großen Maschinen heißt es künftig: Pech gehabt! Eine Tour durch die beliebtesten Strecken Tirols fällt damit erst einmal ins Wasser!

Sehr viele Hersteller betroffen

Heute existieren nach wie vor sehr viele Hersteller, die Motorräder mit einem höheren eingetragenen Standgeräusch anbieten. Von Yamaha über Suzuki und Kawasaki bis hin zu Ducati, Honda und BMW sind sehr viele bekannte Marken betroffen.

Tipp: Wer eine entsprechende Maschine sein Eigen nennt, sollte die eingetragene Dezibel-Zahl für das Standgeräusch prüfen, bevor er sich an die Tourenplanung macht. Auf diese lässt sich eine Menge Ärger umgehen.  

Wiener Innenstadt soll „autofrei“ werden

Neben Tirol plant auch Wien einschneidende Veränderungen für Motorradfahrer. Demnach soll die Innenstadt nach dem Willen der Stadtregierung „autofrei“ werden. Dies schließt laut Verkehrskonzept auch Motorräder und Elektrofahrzeuge ein. Ferner werden auch sämtliche Parkmöglichkeiten für Nicht-Anwohner ersatzlos gestrichen. Als einzige örtliche Ausnahme gilt die Ringstraße, die weiterhin für den motorisierten Verkehr nutzbar bleibt.

Auf Motorradfreunde kommen schwerere Zeiten zu

Anwohner müssen als Autofahrer zudem nachweisen, dass sie in der Wiener Innenstadt ansässig sind. Dies ist über sogenannte Parkpickerl möglich. Wie diese Regelungen für Motorräder ausfallen soll, ist bislang nicht klar. Ansonsten gelten weitere Ausnahmen unter anderem für:

  • Direkte Zufahrten zu Garagen (öffentlich und privat)
  • Dort ansässige Unternehmen
  • Hotelgäste (Parken in entsprechender Parkgarage)
  • Menschen mit Behinderung
  • Diplomaten
  • In der Innenstadt Beschäftigte (Zufahrt außerhalb der Zeiten des ÖPNV)
  • Busse
  • Sozial- und Pflegedienste
  • Einsatzfahrzeuge öffentlicher Dienstleister

Für Motorradfahrer mag sich diese Einschränkung weit weniger streng anfühlen wie die einseitige Benachteiligung auf den Strecken in Tirol. Trotzdem zeigt sich auch hier, dass Motorradfreunden ein zunehmend starker Gegenwind in Österreich entgegenweht.

Auf Motorradfreunde kommen schwerere Zeiten zu

Motorrad fahren ist ein Stück gelebte Freiheit und hilft dabei, einfach mal den Kopf frei zu bekommen. Die Lärmfahrverbote zeigen, dass es für Motorradfahrer in Zukunft schwerer werden dürfte, dem eigenen Hobby uneingeschränkt zu frönen.

In diesem Zusammenhang gibt es eigentlich nur eine Lösung: Die Motorradhersteller müssen perspektivisch dafür sorgen, dass die Maschinen insgesamt etwas leiser werden. Denn das schönste Hobby der Welt einfach aufzugeben, kann auf keinen Fall die anzupeilende Lösung sein. Es bleibt abzuwarten, ob die österreichischen Regelungen hierzulande Schule machen.

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