Motorradfahrer lassen sich durchaus als Individualisten bezeichnen, die ihre Maschine gerne so gestalten, dass sie ihren Bedürfnissen voll und ganz entspricht. Dies gilt auch für die Reifengröße. So kommt es also durchaus vor, dass das eigene Motorrad mit einer anderen Reifengröße gefahren wird als im Führerschein angegeben. Bisher war das auch relativ unkompliziert möglich. Für alle ab 01.01.2020 produzierten Reifen ergeben sich künftig jedoch Unterschiede. Doch worum geht es dabei genau und was sollten Motoradfreunde in Zukunft beachten?

Die bisherige Regelung: Unbedenklichkeitsbescheinigung war ausreichend

Die bisherigen Vorschriften waren in Bezug auf abweichende Reifenmodelle für ein bestimmtes Motorrad relativ klar, da es in den Fahrzeugpapieren klare Eintragungen gibt:

  • Die empfohlene Reifengröße
  • Das empfohlene Reifenfabrikat

Natürlich existieren durch die große Auswahl auf dem Markt sehr viele verschiedene Reifenmodelle, deren Zahl zudem jedes Jahr ansteigt. Somit ist es auch nicht selten, dass andere als die eingetragenen Reifengrößen und/oder Reifenfabrikate dem Fahrstil eines Motoradfans eher entsprechen. In einem solchen Fall war der Weg bisher ganz einfach:

  1. Checken, ob der der Hersteller die Reifen für ein bestimmtes Bike bereits getestet hat.
  2. Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Hersteller beschaffen
  3. Reifen aufziehen und auf ein besonderes Fahrgefühl freuen

Solange eine entsprechende Bescheinigung vorlag, gab es bei einer Kontrolle keine Probleme. Die Eintragung in die Fahrzeugpapiere, die bei Umbauten der Standard ist, entfiel in diesen Fällen. Dies sparte Bürokratie und sorgte dafür, dass ein solcher Wechsel relativ unkompliziert möglich war.

Neuregelung: Künftig sind eine separate Prüfung und Eintragung erforderlich

Die Neuregelung zu den zulässigen Rad-/Reifenkombination ist seit August 2019 in Kraft und betrifft vor allem abweichende Reifengrößen. Wer also künftig eine andere Reifengröße nutzen möchte, als in den Papieren eingetragen, muss laut des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) künftig eine Prüfung vornehmen lassen und die abweichende Reifengröße eintragen lassen.

Die Begründung der Politik ist dabei so stringent wie bürokratisch: Bei den Unbedenklichkeitsbescheinigungen handelt es sich nicht um amtliche Dokumente im Sinne der StVZO (Straßenverkehrszulassungsordnung). Zudem habe es in der Vergangenheit laut Verkehrsministerium immer wieder Zweifel an der Legalität der Selbsterklärung der Reifenhersteller gegeben.

Somit gilt künftig: Wer die abweichende Reifengröße nicht von einer technischen Stelle begutachten und eintragen lässt, riskiert das Erlöschen der Betriebserlaubnis für seine Maschine.

Übergangsfristen: Regelung gilt zunächst nur für neue Reifen

Der Gesetzgeber hat glücklicherweise eine Übergangsfrist gesetzt und verfügt, dass die Prüf- und Eintragungspflicht zunächst erst einmal für alle Reifen gilt, die nach dem 31.12.2019 produziert werden (Herstellungsdatum ist laut Gesetz die DOT-Kennzeichnung auf dem Reifen). Wer also jetzt noch neue Motoradreifen erwirbt, muss sich darum noch keinerlei Gedanken machen. Auch bereits aufgezogene Reifen sind zunächst nicht betroffen. Ab 01. Januar 2025 ist dann allerdings auch damit Schluss. Zu diesem Datum gilt die Neuregelung für alle Reifen.

Das ifz weist jedoch darauf hin, dass es bereits ab 2020 bei der Hauptuntersuchung Schwierigkeiten geben könnte. Schließlich sind Maschinen mit abweichenden Reifen und einer Unbedenklichkeitsbescheinigung dann schon nicht mehr komplett im Einklang mit der StVZO. Es wird daher empfohlen, schon vor der nächsten Hauptuntersuchung eine Prüfung und Abnahme der Reifen in Angriff zu nehmen, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Verkomplizierung mit erhöhtem Sicherheitspotenzial

Auf den ersten Blick ist die Neuregelung in Bezug Reifengröße erstmal eine Zunahme an Bürokratie. Hier wird eine Sache verkompliziert, die bisher verhältnismäßig gut geklappt hat. Dennoch sollte auch angeführt werden, dass eine technische Abnahme letztlich dazu führt, die Sicherheit beim Fahren zu erhöhen. Schließlich haben Reifenhersteller ganz grundsätzlich auch immer ein Interesse am Verkauf der Reifen. Trotzdem dürfte diese Änderung nicht bei jedem Motoradfan auf besondere Gegenliebe stoßen.    

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