Motorrad fahren steht seit jeher für ein Gefühl der Freiheit. Doch bevor es losgeht und eindrucksvolle Touren geplant werden können, benötigt der begeisterte Biker erst einmal eine Maschine. Wer aus Kostengründen auf einen Motorrad-Gebrauchtkauf setzt, kann zwar häufig relativ günstige Exemplare finden, doch hier ist ein genauerer Blick unabdingbar. Schließlich soll der Kauf am Ende ja nicht in eine Katstrophe münden. Doch was ist genau zu beachten und wie lässt sich das prüfen?

Anfänger sollten Fachleute mitnehmen

Wer sich gerade erst dazu entschlossen hat, ein Teil der begeisterten Motorradgemeinde in Deutschland zu werden, hat oft ein Problem mit fehlender Erfahrung. Denn gerade diese ist beim Motorrad-Gebrauchtkauf äußerst wichtig. Genau deshalb erweist sich regelmäßig als sinnvoll, eine erfahrenere Person beim Kaufgespräch mitzunehmen. Dies bringt gleich mehrere Vorteile mit sich:

  • Ein geübter Blick kann Schwachstellen schnell erkennen
  • Erfahrene Biker stellen gleich die richtigen Fragen
  • Auch zunächst verborgene Probleme lassen sich so erkennen

Hinweis: Bei den Fachleuten muss es sich übrigens nicht um Gutachter handeln. Es reicht schon, wenn die Person eine gewisse Erfahrung mitbringt und eventuell bereits selbst schon ein gebrauchtes Motorrad gekauft hat. Wer Niemanden im Freundeskreis kennt, kann auch bei Motorradclubs anfragen und dort zudem Kontakt zu Gleichgesinnten aufbauen.   

Motorrad-Gebrauchtkauf

Der große Motorrad-Check – Was ist zu prüfen?

Im Internet oder der Zeitung ist ein tolles Motorrad inseriert und es wurde auch schon ein Verkaufsgespräch vereinbart? Damit ist der erste Schritt zwar getan, jedoch beginnt jetzt die eigentliche Arbeit beim Kauf: Bei dem Treffen sollte die Maschine nämlich genau unter die Lupe genommen werden. Doch welche Punkte sind dabei zu beachten?

1. Rost ist einer der Hauptfeinde

Beim Motorrad-Check ist die Suche nach Rost ein guter Anfang, da dieser sich gleich äußerlich schnell erkennen lässt. Zu diesem Zweck sollte der Interessent sowohl den gesamten Rahmen als auch den Tank und die Endtöpfe einer genaueren Betrachtung unterziehen. Bei größeren Roststellen ist es oft besser, vom Kauf Abstand zu nehmen oder einen starken Preisnachlass auszuhandeln.

2. Bremscheck als absolutes Muss

Die Bremsen sind die Lebensversicherung eines Motorradfahrers. Aus diesem Grund kommt niemand beim Kauf einer Maschine um den Check der Bremsen herum. Hier sind vor allem folgende Punkte wichtig:

  • Baut sich beim Betätigen des Bremshebels schnell Druck auf (+) oder hält sich dieser in Grenzen (-)?
  • Ist der Handbremshebel komplett bis zum Lenker durchdrückbar (-)?
  • Wie ist der Bremsdruck beim Pedal?

Zusätzlich sollten sowohl der Bremshebel als auch das Bremspedal von allein schnell wieder ihre Ursprungsposition einnehmen. Ist dies nicht der Fall, könnten die Bremsleitungen undicht sein.

3. Räder prüfen: Profiltiefe und Alter sind entscheidend

Natürlich ist es beim Motorrad-Gebrauchtkauf auch wichtig, einen genaueren Blick auf die Reifen zu werfen. Wie sieht die Profiltiefe aus? Sind die Reifen abgefahren und welches Alter weisen diese auf?

Abgefahrene Reifen bedeuten zwar nicht, dass das angebotene Bike unbrauchbar ist, jedoch muss ein Käufer hier noch zusätzliche Kosten für einen Austausch einkalkulieren.

4. Elektrik-Check: Funktioniert alles?

Der Elektrik-Check ist relativ einfach. Hierbei ist lediglich zu prüfen, ob alle Schalter und auch die Batterie funktionieren. Zum Check gehören zum Beispiel die Lichtanlage und auch die Blinker.

Wichtig: Darüber hinaus sind unbedingt die Bremslichter zu prüfen! Lösen Hebel- oder Pedalbremse nicht das Bremslicht aus, kann dies gerade im nächtlichen Straßenverkehr gefährliche Konsequenzen haben.

5. Schleifspuren: Oft ein Anzeichen für Unfälle

Schleifspuren und tiefe Kratzer an den Armaturen, den Schwingungsdämpfern oder den Lenkerenden weisen darauf hin, dass das Motorrad einige Stürze oder sogar Unfälle hinter sich hat. Hierbei ist es wichtig, den Verkäufer darauf anzusprechen und nach den Ursachen zu fragen. Sollte es sich nicht um ein Offroad-Motorrad handeln (hier kommen solche Spuren öfter vor), kann dies auch zu einem K.o.-Kriterium beim Kauf werden. Auf jeden müssen Käufer in solchen Fällen hellhörig zu werden und die anderen Merkmale der Maschine genau prüfen.

6. Kette prüfen: Auch hier lauter häufig Verschleiß

Ein Blick auf Kette ist bei einem Motorrad-Check ebenfalls Pflicht. Beim Drehen des Hinterrades sollte diese eine gleichmäßige Spannung aufweisen. Zusätzlich erweist es sich als wichtig, dass man sie nicht ganz einfach vom hinteren Ritzel abheben kann – dies deutet auf ein hohes Maß an Verschleiß hin. Beim Kardanantrieb sieht es anders aus:  Hier sollte der Käufer das Hinterrad einmal nach vorne und auch nach hinten drehen lassen. Treten dabei starke mahlende Geräusche auf oder ist das Rad schwergängig, deutet auch dies auf Probleme hin.

Motorrad Check

Die Formalitäten: Stimmen alle Angaben?

Neben dem reinen Blick- und Funktionscheck der einzelnen Komponenten ist es natürlich ebenfalls wichtig, alle formellen Aspekte zu klären. Dazu gehören vor allem die folgenden Fragen:

1. Stimmt die Fahrgestellnummer auf dem Rahmen mit den Papieren überein?

Nur wenn es eine Übereinstimmung gibt, lässt sich festhalten, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Einen ähnlichen Check sollten potenzielle Käufer zudem hinsichtlich der Reifengröße vornehmen.

2. Wurden Umbauten am Motorrad vorgenommen und sind die ordnungsgemäß eingetragen worden?

Dieser Punkt ist deshalb so wichtig, weil nicht eingetragene Umbauten die Zulassung zu einem Erlöschen der Betriebserlaubnis führen können. Käufer sollten hier zum einen genau nachfragen und alle Umbauten in den Fahrzeugpapieren sowie in etwaigen Gutachten und Prüfberichten genau unter die Lupe nehmen.

Die Probefahrt: Bei gebrauchten Maschinen vor dem Kauf unerlässlich

Bei der Probefahrt besteht für potenzielle Käufer die Möglichkeit, alle wichtigen Funktion quasi in Aktion zu testen. Dabei sind folgende Aspekte besonders wichtig:

  • Beschleunigung: Die Beschleunigung sollte nach Möglichkeit gleichmäßig und nicht schritt- oder ruckartig ausfallen.
  • Ausstoß: Stößt das Motorrad starken blauen Rauch aus, kann dies ein Anzeichen für Motorverschleiß sein. Hier ist definitiv Vorsicht angebracht.
  • Drall: Wenn die Maschine beim Fahren trotz gerader Gabelhaltung leicht nach links oder rechts zieht, bedeutet dies meistens, dass die Lenkgabel bereits einen Schlag abbekommen hat. Auch hier sind genaue Nachfragen wichtig.

Mit einem umfassenden Check zum passenden Motorrad

Es ist also gar nicht so schwierig, auch bei einem gebrauchten Motorrad passende Exemplare zu finden. Trotzdem sollten Anfänger sich Verstärkung in Form von erfahreneren Fahrern holen, um den Motorrad-Check durchzuführen. Dabei lassen sich nämlich sowohl Argumente für die spätere Preisverhandlung sammeln als auch Probleme finden, die letztlich zum Verzicht auf den Kauf führen.

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